Wenn Du Deinen HR-Job in drei Schlagworten beschreiben müsstest – welche wären das?
Vielseitig, schnell erfassend und wirksam: Ich arbeite mich rasch in neue Themen ein, stelle früh operative und strategische Weichen und bewege mich immer wieder in neuen Teams, spannenden Konstellationen und mit interessanten Menschen.
Welche Begegnung mit einem Menschen hat Deinen Blick auf HR besonders geprägt?
Es gibt viele Menschen, die meinen Blick auf HR geprägt haben. Was mir spontan in den Sinn kommt bei dieser Frage ist einerseits eine Organisation Hewlett-Packard. Da erlebte ich HR erstmals als international aufgestellte und agierende Organisation – das erweiterte meinen bis dahin stark Schweiz bezogenen Blick.
Bei der RUAG prägten mich zwei HR-Leiter besonders: Durch ihre vorgelebte Haltung zu internem Lobbying, strategischer HR-Arbeit, der sorgfältigen Vorbereitung von Entscheiden, dem Einbezug von Widerständen in Veränderungsprozesse sowie der datenbasierten, geschäftsnahen HR-Planung. Und nicht zuletzt hat mich eine gute Kollegin, selbst HR-Interimsmanagerin, ermutigt, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.
In den Mandaten bin ich Kunden begegnet, die mich durch ihre strategische Brillanz und Weitsicht beeindruckt haben kombiniert mit einer starken Menschen- und Umsetzungsorientierung- das sind echte Vorbilder für mich.
Welche Fähigkeit aus Deinem Privatleben hilft Dir überraschend oft im HR-Alltag?
Ich bin sehr gern mit dem Mountainbike unterwegs – bei jedem Wetter und das ganze Jahr über. Beim Biken gilt: Der Blick lenkt den Körper. Gerade in anspruchsvollen Situationen ist es entscheidend, sich auf den fahrbaren Weg zu konzentrieren statt auf das Hindernis. Diese Haltung hilft mir auch im beruflichen Alltag.
Auf welche Entscheidung in Deiner HR-Laufbahn bist Du heute besonders stolz – und warum?
Ich bin stolz darauf, den Schritt in die Selbständigkeit gewagt zu haben – trotz der damit verbundenen Unsicherheit. In meinen Mandaten konnte ich die Sichtbarkeit und Leistung von HR-Teams verbessern und deren Wahrnehmung ihrer Selbstwirksamkeit deutlich steigern. Diesen Prozess zu begleiten und dann über Feedbacks bestätigt zu erhalten, erfüllt mich mit grosser Freude und Stolz.
Gab es einen HR-Trend, dem Du anfangs skeptisch gegenüberstandest und heute anders bewertest?
Meine erste Einführung von SuccessFactors verstand ich zunächst vor allem als IT-Systemeinführung. Schnell wurde mir jedoch klar, dass solche Systeme starke Veränderungsprozesse auslösen, die gesteuert werden müssen: Sie verändern HR-Organisationen ebenso wie die Rollen von Führungskräften und diejenige von Mitarbeitenden.
Ein neues System wirkt wie ein Katalysator auf die Organisation mittels neuer Prozesse und neuen Verantwortlichkeiten. Da ist es gut, wenn die HR-Organisation das antizipiert und Change Prozesse bereits in Gang bringt, die durch die Systemeinführungen unterstützt werden können.
Heute sehe ich solche Digitalisierungsprojekte als wichtige Grundlage für nächste Schritte – etwa für die Einbettung von AI-Tools sowie den Aufbau von Führungs-Cockpits und Dashboards.
Wo sollte HR aus Deiner Sicht in fünf Jahren deutlich mutiger sein als heute?
Ich finde, die Diskussion um die Rolle von HR in Unternehmen ist heute gelegentlich zu stark von Status geprägt: Ist HR in der Geschäftsleitung vertreten oder nicht? Rapportiert HR direkt an den CEO oder nicht? Wird HR genügend gehört und wahrgenommen oder nicht?
Ich finde, HR sollte sich stärker an der Wirkung für die Organisation orientieren. Für mich beginnt erfolgreiches HR mit einer klaren Vision: Welchen Mehrwert schaffen wir für das Business, wie können wir uns einbringen, wie arbeiten wir noch besser zusammen und wo exponieren wir uns ganz bewusst. Ein solches Zielbild ist gerade in Krisensituationen äusserst hilfreich. Es gibt auch in Turbulenzen Orientierung und hilft, beharrlich, flexibel und optimistisch auf das gemeinsame Ziel hinzuarbeiten. So werden wir als Organisation wahrgenommen, die einen grossen, positiven Impact hat auf das Unternehmen.
Was machst Du, um nach einem intensiven HR-Tag wirklich abzuschalten?
Ich gehe sehr gern in die Natur – zu Fuss oder mit dem Bike –, arbeite im Garten oder koche etwas Besonderes. Diese Tätigkeiten helfen mir, den oft sehr Kopf-lastigen Teil meiner Arbeit auszugleichen.
Welche «ungewöhnliche» Fähigkeit oder Marotte von Dir kennen die wenigsten Kolleg:innen?
Ich bin ein grosser Musikfan und höre seit jeher aktuelle Musik, querbeet. Früher «Musik aus London» auf DRS1 und Sendungen wie «Sounds». FM, Christoph Schwegler und Düsi Künzler waren meine Radiohelden. Ausserdem habe ich die eine oder andere CD oder Platte, die mir sehr viel bedeutet.