Im ZGP Spotlight spricht Marie-Christine Nyffenegger über Neugier als Zukunftskompetenz im HR. Sie erklärt, wie KI die Arbeit verändert und weshalb eine gelebte Fehlerkultur Lernen und Entwicklung ermöglicht.

Wer bist Du – und was begeistert Dich an Deinem Beruf im HR?

Offen, neugierig und humorvoll – so würde ich mich beschreiben. Ich bringe gerne Menschen zusammen und interessiere mich für unterschiedliche Sichtweisen. Gerade im Austausch entstehen oft neue Ideen und bessere Lösungen. Herausforderungen sehe ich als Anstoss zur Weiterentwicklung: Sie bringen uns dazu, Gewohntes zu hinterfragen und neue Wege zu suchen.

Diese Haltung begleitet mich auch beruflich. Seit vielen Jahren arbeite ich im internationalen HR. Die Zusammenarbeit über Länder- und Kulturgrenzen hinweg hat mich geprägt und befähigt, mich schnell auf unterschiedliche Situationen einzustellen und auch bei komplexen Themen den Überblick zu behalten.

Was mich an HR begeistert, ist, dass es nie nur um Prozesse geht. Hinter jedem Thema stehen Menschen und oft auch unterschiedliche Interessen. Ich mag es, Zusammenhänge zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die pragmatisch, umsetzbar und für die Beteiligten stimmig sind.

Besonders schön finde ich die Momente, in denen durch ein Gespräch eine andere Perspektive entsteht oder sich in einer schwierigen Situation ein neuer Weg eröffnet.

Welche Themen beschäftigen Dich im HR derzeit besonders?

Mich beschäftigt, wie KI unsere Arbeit verändert. Ich sehe sie vor allem als Unterstützung: Sie kann repetitive Aufgaben übernehmen, Informationen aufbereiten und uns entlasten. Dadurch bleibt mehr Raum für Tätigkeiten, die Erfahrung und verantwortungsvolle Entscheidungen erfordern.

Mit dieser Entwicklung verändern sich auch Rollen und Anforderungen. Für HR bedeutet das, gemeinsam mit dem Business früh zu erkennen, welche Fähigkeiten künftig gebraucht werden. Wenn bisherige Tätigkeiten wegfallen oder sich verändern, brauchen Mitarbeitende die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und ihre Erfahrung in veränderten oder neuen Aufgaben einzubringen. Das eröffnet ihnen eine Perspektive und hilft dem Unternehmen, wichtiges Wissen zu behalten.

Der sichere und verantwortungsvolle Umgang mit KI ist dabei nur ein Teil. Ebenso wichtig sind Kompetenzen, die uns als Menschen auszeichnen und sich nicht einfach an KI delegieren lassen: kritisches Denken, menschliches Urteilsvermögen und die Fähigkeit, komplexe Fragestellungen gemeinsam zu lösen. Um sie zu stärken, müssen wir bereit sein, immer wieder dazuzulernen.

Schulungen allein reichen dafür nicht. Es braucht auch die Möglichkeit, neues Wissen anzuwenden und aus den eigenen Erfahrungen zu lernen.

Was braucht es, damit Mitarbeitende Neues ausprobieren und daraus lernen können?

Vor allem braucht es eine Fehlerkultur, die im Alltag wirklich gelebt wird.
Wenn Mitarbeitende wissen, dass ein unbeabsichtigter Fehler sachlich besprochen wird und daraus Verbesserungen entstehen, sind sie eher bereit, etwas zu testen.

Gerade Führungskräfte haben dabei eine wichtige Vorbildfunktion. Wenn eine Führungskraft sagt: «Da habe ich falsch entschieden», und erklärt, was sie daraus gelernt hat, übernimmt sie Verantwortung und zeigt, dass ein offener Umgang für alle gilt. Das schafft Vertrauen und ermutigt Mitarbeitende, eigene Fehler früh anzusprechen.

Wo sollte HR aus Deiner Sicht mutiger werden?

HR sollte sich bei wichtigen Themen von Anfang an einbringen und klar Position beziehen. So können wir Entscheidungen mitgestalten und unterschiedliche Perspektiven einbeziehen.

Dafür müssen wir das Business verstehen, im Unternehmen präsent sein und gute Beziehungen aufbauen. Deshalb gehört Networking für mich zur HR-Arbeit. Der regelmässige Austausch hilft uns zu verstehen, was im Unternehmen passiert und was die Menschen beschäftigt.

Mut bedeutet auch, Chancen und Risiken rechtzeitig anzusprechen, kritische Fragen zu stellen und klar aufzuzeigen, welche Folgen eine Entscheidung haben kann. Genau das ist für mich Business Partnership.

Welche Kompetenz wird im HR in Zukunft besonders wichtig sein?

Neugier. Sie bedeutet, auch bei vertrauten Themen weiterzufragen und die eigene Sicht immer wieder zu überprüfen.
Erfahrung hilft, Zusammenhänge und Muster schneller zu erkennen. Gleichzeitig bleiben wir offen für Veränderungen und Lösungen, die zur aktuellen Situation passen.

Erfahrung gibt Orientierung. Neugier hält uns beweglich.